Innovation und Tradition sind bis heute die wesentlichen Erfolgsfaktoren geblieben, welche das Unternehmen Feldschlösschen zur führenden Schweizer Brauerei gemacht haben. Dank der Weitsicht der Gründer entwickelte sich das Unternehmen bereits in den Anfangsjahren sehr dynamisch und erfolgreich. Seit mehr als 100 Jahren ist Feldschlösschen die grösste Brauerei der Schweiz.
Der Bauer und der Brauer
Als Gründungsdatum der Brauerei Feldschlösschen gilt der 8. Februar 1876. An diesem Tag braute die «Kollektivgesellschaft Wüthrich & Roniger zum Feldschlösschen» erstmals Bier. Die Gründer Mathias Wüthrich, ein finanzkräftiger Landwirt, und Theophil Roniger, ein versierter Brauer, hatten sich als Teilhaber des Unternehmens zusammengefunden. Theophil Roniger hatte zuvor während neun Jahren im Gasthaus Sonne in Magden eine bescheidene Hausbrauerei betrieben und sich sich mit seinem Bier einen guten Ruf geschaffen.
Nachdem ein Jahr vor der Brauereigründung die Bözberglinie der Nordostbahn Basel-Zürich ihren Betrieb aufgenommen hatte, war für die beiden Feldschlösschen-Gründer klar, dass sie ihr Bier - logistisch visionär - mit der Bahn transportieren würden. Damals verteilten die über 500 Brauereien in der Schweiz das Bier ausschliesslich im beschränkten Umkreis einer Pferdefuhrwerk-Tagestour.
Mathias Wüthrich und Theophil Roniger dagegen nutzten das damals modernste Transportmittel, die Eisenbahn, und konnten dadurch den gesamten schweizerischen Biermarkt erschliessen. In den ersten Jahren erfolgte der Transport bis zum Bahnhof Rheinfelden mit Pferdefuhrwerken, 1889 wurde der direkte Geleiseanschluss zum Bahnhof gebaut.
Rasches Ende vorausgesagt
Der erste Sud wurde auf dem gleichen Areal gebraut, auf dem heute die grösste Brauerei der Schweiz steht.
Die ersten Jahre der Brauerei Feldschlösschen waren mit enormen Schwierigkeiten verbunden. So war der Winter im zweiten Braujahr 1877/78 so warm, dass weder in der Region Fricktal-Basel noch im Mittelland ein Weiher gefror. Die maschinelle Eiserzeugung war noch unbekannt, und ohne Eis war Bier weder herzustellen noch zu lagern. Pferde, Wagen und Mannschaften mussten von Rheinfelden ins glarnerische Klöntal disloziert werden, um auf dem gefrorenen See zu „eisen“.
Das so aufwendig gewonnene Eis wurde per Bahn nach Rheinfelden transportiert und in Ronigers Felsenkeller zwischen Magden und Rheinfelden gelagert.
Auch stiegen kurz nach Aufnahme der Brautätigkeit die Preise für Hopfen und Malz derart, dass Beobachter die baldige Schliessung des jungen Unternehmens erwarteten. Der Tüchtigkeit und dem Durchhaltewillen der Inhaber war es zuzuschreiben, dass die kritische Anfangsphase gemeistert werden konnte.
Rasantes Wachstum
Die Tatsache, dass nur Hopfen und Malz erster Qualität verwendet und die Geschäfte von den Inhabern selber geführt wurden, machte das Feldschlösschen-Bier bald zu einem Begriff. Wurden im Gründungsjahr rund 2000 Hektoliter gebraut, so verdoppelte sich der Ausstoss bereits im folgenden Jahr. Die Umsätze entwickelten sich in der Folge rasant, und der Kundenkreis erweiterte sich laufend. Zahlreiche Depoteröffnungen erfolgten von der Romandie bis in die Ostschweiz. Die Expansion folgte dem sich national ausdehnenden Eisenbahnnetz. Das unaufhaltsame Wachstum veranlasste die Gründer, für ihre Unternehmung eine neue Rechtsform zu finden. So wurde 1890 die «Aktiengesellschaft Brauerei zum Feldschlösschen» gegründet.
22 Jahre nach der Gründung überschritt die Produktion die Schwelle von 100 000 Hektolitern; Feldschlösschen wurde zur grössten Brauerei der Schweiz. Entsprechend dieser Expansion wurden die Gebäude und Installationen ständig erweitert. Es wurde fast ununterbrochen gebaut, wobei bereits kurz nach der Gründung die neuen Gebäude der Brauerei die typische Schlossform erhielten.
Bis zu 60 Pferde
Zusammen mit den Depots umfassten die Stallungen von Feldschlösschen zeitweise bis zu 60 Brauereipferde. Die Zahl nahm langsam ab, als ab 1912 die Lastwagen Einzug hielten.
1905 starb Mathias Wüthrich und 1913 Theophil Roniger. Dessen Sohn, Adolf Roniger, leitete in der Folge das Unternehmen von 1913 bis 1961 als Direktor, Generaldirektor, Delegierter und Präsident des Verwaltungsrats. Er steuerte die Brauerei durch zwei Weltkriege; steigende Rohstoffpreise bei zunehmender Rohstoffknappheit führten beide Male zu einem fast totalen Umsatzzusammenbruch. Es brauchte jeweils mehrere Jahre, um die Vorkriegsumsätze wieder zu erreichen.
Als Dr. Max Wüthrich, ein Enkel des Mitbegründers Mathias Wüthrich, 1961 die Geschicke der Brauerei übernahm, erkannte er die besondere Bedeutung des Detailhandels für den Bierabsatz. Das starke Wachstum von Feldschlösschen in dieser Zeit war vor allem auf gezielte Anstrengungen zurückzuführen, am steigenden Heimkonsum teil zu haben.
Expansion
Bereits in den Anfangsjahren schlossen sich Kleinstbrauereien Feldschlösschen an, so hat Feldschlösschen im Laufe des über 130-jährigen Bestehens insgesamt 36 Brauereien übernommen. Rechnet man jene Brauereien hinzu, welche die von Feldschlösschen akquirierten Unternehmen ihrerseits übernommen hatten, so kommt man auf die Zahl von 141 ehemaligen Biermarken, die heute unter dem Rheinfelder Schlossdach vereinigt sind.
Alkoholfreie Getränke
Das Jahr 1974 brachte eine grundsätzliche Neuausrichtung, indem die Brauer in den Markt mit Mineralwässern und Süssgetränken einstiegen.
Feldschlösschen übernahm die hälftige Beteiligung an der Unifontes AG mit den Mineralquellen Eglisau, Elm und Rheinfelden. Später kamen mit Arkina und der Passuger-Gruppe weitere Quellenbetriebe hinzu.
Heute ist Feldschlösschen noch im Besitz der Mineralquelle Rhäzüns, wo die Mineralwässer Rhäzünser und Arkina abgefüllt werden.
In den letzten Jahren erfuhr das Unternehmen gleich dreimal gewichtige Änderungen: 1992 wurde die Brauerei Feldschlösschen in die Holding gleichen Namens integriert, vier Jahre später erfolgte – nach der Fusion mit der Brauerei Hürlimann – die Umbenennung in Feldschlösschen-Hürlimann Holding, und Ende 2000 wurden der Immobilien- und Getränketeil rechtlich getrennt. Der Getränkebereich wurde von der Carlsberg-Gruppe übernommen und wird unter dem Namen Feldschlösschen Getränke AG weitergeführt.
Tradition und Zukunft
Tradition und Zukunft zu verbinden, war seit Beginn die Kunst, die Feldschlösschen verstand. So kommt es auch, dass das prächtige Sudhaus in Rheinfelden mit seinen zwölf Originalkupferpfannen weit über die Schweizer Grenzen hinaus bekannt ist. Ebenso die Brauereipferde und die Oldtimerfahrzeuge von Feldschlösschen.
Für die Zukunft stehen die zahlreichen Produktneuheiten, die das innovative Unternehmen Feldschlösschen in den letzten Jahren erfolgreich auf den Markt gebracht hat.