18.11.2002 08:00 

Die sieben Brauereipferde von Feldschlösschen haben in ihren Stallungen neue Boxen bezogen und verfügen über doppelt soviel Platz wie bisher. Die Stallungen werden nun als zusätzliche Attraktion in die Schlossbesichtigungen integriert.

Mehrere zehntausend Personen in der ganzen Schweiz bewundern die sieben Belgier Brabanten Apollo, Ares, Carlo, Diego, Lux, Olymp und Quinto jährlich bei ihren «Sechsspänner»-Einsätzen live, und via Zeitungen wird über diese Auftritte in millionenfacher Auflage berichtet. «Die Pferde sind – natürlich neben dem Bier – das beliebteste Aushängeschild des Feldschlösschen», freute sich Alfred J. Bucher, Leiter Produktionsbetriebe und Mitglied der Geschäftsleitung, bei der Stalleinweihung. Ab sofort können sich nun auch die jährlich über 25'000 Brauereibesucher ein eigenes Bild von den stämmigen, rund 900 kg schweren Pferden machen – wenn diese nicht gerade im Einsatz stehen: Nach dem Umbau werden die Stallungen ins Besuchsprogramm integriert. Dabei wird auch ein neuer Kurzfilm über die Brauereipferdehaltung gezeigt. «Unsere Pferde sind den Kontakt mit Menschen gewohnt und lassen sich gerne flattieren», erläuterte Gaby Gerber, Leiterin Landwirtschaft, einen weiteren Grund, weshalb die «Füchse» sehr beliebt sind. Und wenn einem unter ihnen der Besucherrummel doch zu viel werden sollte, hat er die Möglichkeit, sich in den hinteren Teil der Boxe zurückzuziehen. Die Feldschlösschen-Stallungen umfassen insgesamt acht Boxen. «Die derzeit noch freie Boxe wird in den nächsten Monaten ebenfalls einen Bewohner erhalten», verriet Gaby Gerber. Der neue Schwerarbeiter wird Hektor ersetzen, der im Frühjahr gestorben ist.

 

 

 

Die Brauereipferde gehören zum Feldschlösschen wie das Bier
Die Brauereipferde gehören seit jeher zu Feldschlösschen wie sein Bier. Vom Gründungsjahr der Brauerei, 1876, bis zum ersten Weltkrieg erfolgte der Biertransport vorwiegend durch Gespanne. Zusammen mit den Depots umfassten die Feldschlösschen-Stallungen bis zu 60 Pferde. Heute sind die Brauereipferde und vor allem der Original-«Sechsspänner» ein äusserst erfolgreiches Marketinginstrument. Bei der Firmengründung vor 126 Jahren waren fünf Pferde im Stall. Durch den starken Anstieg der Bierproduktion wurde der Bestand bald auf 16 erhöht. Anfänglich kaufte Mathias Wüthrich – zusammen mit Theophil Roniger Gründer von Feldschlösschen – vor allem Rappen aus Norddeutschland, Hannoveraner und Holsteiner. Sein Hauptaugenmerk galt dem starken «Unterbau» der Pferde, wie den Beinen, Gelenken, Sehnen und Hufen. Die «Rösseler» sprechen noch heute davon, dass ein hart Brauereipferd ein gutes Fundament haben muss. Bevor die Motorisierung vorangetrieben wurde, besass Feldschlösschen bis zu 60 Pferde, so in Rheinfelden 16 Stück, in den Depots von Genf und Basel je 12, sowie in den Depots in Olten, Brugg, Aarau und Burgdorf je 2 bis 6 Stück. In den früheren Zeiten wurde sehr viel und harte körperliche Arbeit von Mann und Pferd verlangt. Geblieben ist das Alltagsbild jener Epoche, nämlich die grosse Hilfe des Pferdes für den Menschen. Nach dem ersten Weltkrieg ersetzte man die bisherigen Wagenpferde, die Holsteiner und Hannoveraner, durch schwere Belgier Brabanten. Feldschlösschen kaufte jährlich sechs bis acht junge «Belgier». Man schaute hauptsächlich auf deren Körperbau, auf die Hufe und den Kopf, das Ohrenspiel und natürlich immer auf den Charakter, der zu den «Kollegen» im Gespann passen musste. Es muss immer ein besonderes Ereignis gewesen sein, wenn die jungen Pferde der Direktion und den Kaderleuten persönlich vorgestellt wurden. Die Bierverteilung per Bahn und Lastwagen wurde immer schneller und effizienter, und allmählich wurden die Vierbeiner fast vollständig verdrängt. Trotzdem blieb Feldschlösschen seinen Pferden treu, weil erkannt wurde, dass zu einem Brauereibetrieb und zum traditionellen Bild Pferde gehören. Heute ist der imposante Original-«Sechsspänner» der einzige Bierfuhrwagen in der Schweiz, der von sechs Brauereipferden gezogen wird. Er kommt jährlich in der ganzen Schweiz bei über 50 Umzügen, Messen, Jubiläen und weiteren Festanlässen zum Einsatz. Der fünf Tonnen schwere Fasswagen ist dabei mit 59 (leeren) Holzfässern beladen, in denen 4000 Liter Bier mitgeführt werden könnten. Für Zuschauer immer wieder erstaunlich ist auch, mit welcher Leichtigkeit die erfahrenen Fuhrmänner das trotz seiner Länge von 16 Metern wendige Gespann lenken können. Die derzeit sieben Belgier Brabanten sind in Rheinfelden und Umgebung praktisch täglich «on Tour»: als Zweispänner liefern sie Bier, Mineralwasser und Softdrinks in die Gaststätten. Die trotz ihres Gewichts eleganten Pferde gehören damit zum Stadtbild von Rheinfelden wie das «beliebteste Schloss der Schweiz». Die Brauereipferde im Alter von 8 bis 13 Jahren werden vom eigenen Stallpersonal gepflegt. Auf den Wiesen des Brauerei-Areals weiden und vergnügen sie sich in ihrer «Freizeit». Gepflegt werden sie werktags wie feiertags von den Fuhrmännern Daniel Schaub, Walter Spycher, Viktor Stocker und Jürg Koch. Mit seinen sieben «Belgier» bewahrt Feldschlösschen ein einzigartiges Wahrzeichen schweizerischer Brauereitradition.