Mein Gejammer über das miese Wetter hat zeitweise wohl gewirkt. Allerdings ist mir dann manchmal fast zu heiss.
Die Weide ist mein Lieblingsaufenthalt. Manchmal möchte ich sogar draussen übernachten. Wenn ich diesen Drang verspüre, verhalte ich mich dem jeweiligen Pferdepfleger gegenüber störrisch und drehe noch ein paar extra Runden auf der Wiese, statt folgsam in den Stall zu trotten. Mama sagte mir, dass bald die Zeit kommen werde, wo ich tagelang keinen Stall von innen sehe.
Zum ersten Mal hörte ich von ihr, dass ich einmal mit vielen anderen Fohlen zusammen sein werde. Weit weg von meinem Geburtsort und ohne sie. Ich kann das fast nicht glauben. Ein Leben ohne Mama und meiner vertrauten Umgebung. Heute und morgen wird das kaum der Fall sein. Also geniesse ich den Sommer auf meinem Schloss.
Ich muss noch schnell von meinem Schrecken erzählen, den ich gestern erlebte. Als mich Viktor zur Boxe raus liess und Mama durch den Stallgang führte, preschte ich nichts ahnend nach draussen. "Juhui, auf die Weide", dachte ich und wollte über den Hofplatz flitzen. Was ich vor mir sah, hörte und roch veranlasste mich zu einem Stopp, dass mir beinahe die Hufe schmolzen.
Vor mir stand Apollo auf drei (!) Beinen. Peter hielt ein Hinterbein auf, ein Mann kniete davor und drückte dem armen Apollo ein glühendes Eisen auf den blanken Fuss. Es zischte dermassen, qualmte und stank entsetzlich, dass ich wie gesagt wie angewurzelt stehen blieb. Zum Glück waren Mama und Viktor bald bei mir angelangt. "Na, Kleiner", meinte Mama schelmisch, "nun hast du den Hufschmied bei der Arbeit kennengelernt." Ohje, was mir noch alles blüht, wenn ich gross bin.