Auf meinen diversen Streifzügen durch die beiden Stallgänge habe ich inzwischen alle meine Vierbeinerkollegen kennen gelernt.
Richtig beobachten kann ich sie auf der Weide und meine, dass Ares der eleganteste und Quinto der dickste Kollege ist. Letzthin ist mir plötzlich bewusst geworden, dass alle Namen haben. "Wieso heissen Carlo und Diego wie Südländer und Ares und Apollo wie Griechen?", fragte ich Mama. "Warum mein Name Aramis und deiner Pouliche ist, weiss ich natürlich." Mama konnte mich aufklären.
"Es gab eine Zeit", begann sie, "da wurden alle Pferde im Stalle Feldschlösschen mit Namen aus der griechischen Antike gekürt. Die letzten beiden aus dieser Epoche sind Apollo und Ares. Quinto wurde gleich getauft wie ein Feldschlösschen-Bier, Carlo und Diego sind von Pferdebetreuern benannt worden. Princesse und ich wiederum haben unsere Namen schon in Belgien erhalten. Fredy ist ein Sonderfall. Vor Jahren gab es ein Brauereidirektor namens Fredy Bucher. Als der in Pension ging, hat man ihm ein besonders eindrückliches Geschenk machen wollen.
Ein paar Mitarbeiter kamen auf die Idee, den neu erworbenen Belgier "Fredy" zu taufen. Unser Kollege wurde nach der Einfuhr in die Schweiz kurze Zeit versteckt und erst beim Abschiedsfest des Direktors ihm präsentiert. Um seinen Hals hing eine breite Schärpe mit dem Namen "Fredy" aufgedruckt." "Wow, das war ja ein Ding", meinte ich beeindruckt. Mama erzählte noch, dass der Zweibeiner Fredy still und leise eine Freudenträne abgeputzt habe. "Was ist das, eine Träne?", wollte ich wissen. "Das, mein Kleiner, wirst Du nie selber erfahren können. Nur Menschen weinen. Wir Pferde können Freude, Schmerz oder Trauer nur mit unserer Körpersprache ausdrücken." Ich zeige jetzt mit meinen Bocksprüngen besonders eindrücklich, wie fröhlich ich bin.