01.09.2008 08:00 

Meine Mähne muss etwas ganz Besonderes sein

Kaum kommt mir ein Zweibeiner nahe, streicht er mir über meinen Mähnenkamm. Immer wieder höre ich: "Jö, wie härzig." Natürlich habe ich das lange Zeit auf meine gesamte Erscheinung bezogen. Ich gebe zu, dass mir die Zuneigungsbekenntnisse schon ein wenig geschmeichelt haben. Auch habe ich sehr wohl die neidischen Blicke unserer Boxennachbarin Tante Princesse bemerkt. In solchen Momenten habe ich mich erst recht keck und vorwitzig aufgeführt. Seit heute weiss ich, dass die überschwänglichen Äusserungen unserer Besucher oft meine kurzgeschnittene Haarpracht betreffen. Hat doch ein Gast zu seiner Begleitperson gesagt, ich hätte einen Irokesenschnitt. "Ja", entgegnete diese, "mich erinnert Aramis an meine ausgeflippten Punk-Jahre." Mama musste mich wieder einmal aufklären. "Die Zweibeiner haben recht. Mit deiner Pseudo-Mähne gleichst du tatsächlich einem Indianer." Als sie mir noch den Begriff "Punk" definierte, war mir klar, warum ich vermehrt an meiner stoppeligen Halsoberseite gestreichelt werde. Offenbar wecke ich bei einigen ihre Jugenderinnerungen als Punk.

Ende Woche darf ich etwas ganz Neues erleben. Im Städtchen Rheinfelden findet vom 5. bis 7. September eine grosse Gewerbeschau statt. Zusammen mit Mama werde ich den vielen Gästen präsentiert. Sie können uns in einem extra aufgebauten Gehege bewundern. Mama sagte mir, dass wir dann sozusagen vierbeinige Botschafter vom Schloss sein werden. Dann wird es sicher wieder heissen: "Seht nur, da steht Aramis, der Schlossprinz."