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Medienmitteilung



Ein Bierzug Anfang der 40-er Jahre.

 
Rheinfelden, 11. Juli 2002

95-jährig und immer noch mit vollem Dampf

Bei der Brauerei Feldschlösschen feiern in diesem Jahr zwei besondere Mitarbeiterinnen ihren 95. Geburtstag: Die beiden Dampflokomotiven, von denen die eine in alter Frische nach wie vor äusserst zuverlässig ihren Dienst versieht, während ihre Kollegin auf dem Museumsgeleise die Besucher erfreut.

Die erste Dampflok, die in den Dienst von Feldschlösschen gestellt wurde, ist seit nunmehr sechs Jahren auf dem Firmengelände ausgestellt: die 1907 durch die Locomotivfabrik Krauss & Co. in München gefertigte zweiachsige E 2/2. Bis 1965 versah sie ihren Dienst als Hauptlok und bis 1994 als Ersatzlok. In dieser Zeit rangierte sie während rund 50'000 Stunden Güterwagen und legte dabei 250'000 km zurück – also sechsmal um den Erdball. Weil ihr Handling nicht ganz einfach war, erhielt sie von Lokführern den Kosenamen «Chnurrli». Auf dem Museumsgeleise angehängt ist ein 111-jähriger Kühlwaggon, der bis 1965 verwendet wurde und dabei 400'000 km zurücklegte. Von diesen Waggons besass die Brauerei einst 58 Stück. Die grössere Lokkollegin, die dreiachsige E 3/3, wurde ebenfalls 1907 von der Schweizerischen Lokomotiven- und Maschinenfabrik (SLM) Winterthur für die SBB gefertigt. Sie rangierte zunächst in den Basler Rheinhäfen und steht seit 1965 bei Feldschlösschen unter Dampf. Sie ist mit drei Triebachsen auch etwa ein Drittel leistungsstärker als die E 2/2. Heute wird sie vor allem für den Transport von Gästegruppen der Brauerei eingeheizt. Zwischendurch – wenn die seit 1994 im Einsatz stehende Diesellok revidiert wird – rangiert sie nach wie vor auch Güterwagen. Jährlich rund 100-mal zieht die E 3/3 mit dem Kosenamen «Tigerli» schnaubend grössere Besuchergruppen in den historischen Personenwagen vom Feldschlösschen-Gästebahnhof direkt beim Bahnhof SBB Rheinfelden über das 1 km lange firmeneigene Industriegeleise zur Brauerei. Angehängt sind ein weiterer Oldtimer-Kühlwaggon sowie drei Personenwagen mit offenen Plattformen, die ursprünglich auf dem Netz der Bodensee-Toggenburg-Bahn fuhren. 200 Liter Wasser, 100 kg Kohle Vor jeder Dampffahrt gilt es, den Kessel zu heizen und die beweglichen Teile der Lok zu ölen. Dauerte die Heizprozedur in früheren Zeiten ganze drei Stunden, so erfolgt sie heute dank einer tauchsieder-ähnlichen Vorrichtung, die das Wasser auf etwa 90 Grad erhitzt, nur noch die halbe Zeit. Pro Fahrt werden – inklusive Aufheizen – rund 200 Liter Wasser und 100 kg Kohle verbraucht. Alle zwei bis drei Monate erfolgt eine Kessel-Innenwäsche, und alle zwei Jahre kriecht der eidgenössische Kesselinspektor in die Feuerbüchse, um den Zustand zu überprüfen. Mit Rolf Buob, Heinrich Rothen und Simon Herzog verfügt Feldschlösschen über drei Mitarbeiter, die bei den SBB die Dampflokomotiven-Führerprüfung absolviert haben.

Dank der Eisenbahn zur Nummer eins geworden
Die Erfolgsgeschichte der Brauerei Feldschlösschen ist eng mit der Eisenbahn verbunden. Nachdem ein Jahr vor der Brauereigründung von 1876 die Bözberglinie der Nordostbahn Basel–Zürich ihren Betrieb aufgenommen hatte, wollten die beiden Feldschlösschen-Gründer Theophil Roniger und Mathias Wüthrich ihr Unternehmen anders betreiben, als die damals noch über 500 übrigen Brauereien in der Schweiz, die ihre Kundschaft nur im beschränkten Umkreis einer Pferdefuhrwerk-Tagestour bedienen konnten. Wüthrich und Roniger wollten ihr Bier hauptsächlich mit dem damals modernsten Transportmittel, der Eisenbahn, vertreiben und damit den gesamten schweizerischen Biermarkt erschliessen. Karrten in den Anfangsjahren noch Pferdefuhrwerke das Bier zum Rheinfelder Bahnhof, so wurde 13 Jahre nach der Brauereigründung ein direkter Bahnanschluss realisiert. Die Umsätze entwickelten sich in der Folge rasant, und der Kundenkreis erweiterte sich laufend. Zahlreiche Depoteröffnungen erfolgten von der Romandie bis in die Ostschweiz. Die Expansion folgte dabei dem sich national ausdehnenden Eisenbahnnetz. Entsprechend überschritt 22 Jahre nach der Gründung die Produktion 100'000 Hektoliter (hl), und Feldschlösschen wurde zur grössten Brauerei der Schweiz. Biertransporte zu zwei Dritteln per Bahn Heute verlassen rund zwei Drittel der jährlich bei Feldschlösschen gebrauten mehr als 1,5 Mio. hl Bier Rheinfelden per Bahn. Feldschlösschen ist denn auch die einzige Schweizer Brauerei mit einer eigenen Eisenbahn; auf dem Firmengelände sind rund 6 km Geleise verlegt. Um die Verladekapazitäten zu erhöhen, wurden in den letzten Monaten für rund 1 Mio. Franken die Rampen verbreitert. Die Feldschlösschen-Schienenflotte umfasst zwei Lokomotiven (je eine Diesel- und Dampflok) und zehn Waggons (4 Zisternenwagen, 2 Güterwagen und 4 Personenwagen für den Gästezug). Von den SBB werden im Jahresdurchschnitt 33 vierachsige Güterwagen zugemietet. Zusätzlich werden Güterwagen für den Transport von jährlich 2700 Seecontainern mit dem Exportprodukt Moussy in den Basler Rheinhafen gemietet. Von Montag bis Freitag bieten die SBB ab dem Bahnhof Rheinfelden jeweils drei fahrplanmässige Abfahrten für Güterwaggons in die ganze Schweiz an. Je nach Saison stellt die Brauerei Feldschlösschen täglich zwischen 25 und 36 Bahnwagen bereit. Bedient werden dabei hauptsächlich die eigenen Depots mit Bahnanschluss sowie Grosskunden. Regelmässig erfolgt auch die Anlieferung von Malz und Glasflaschen per Bahn. Im Detailhandelsbereich zählt die Feldschlösschen Getränke AG zu den grössten Güterkunden der SBB.

Gästezug und Gästebahnof der Brauerei Feldschlösschen
 
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