Nachdem ein Jahr vor der Brauereigründung die Bözberglinie der Nordostbahn Basel-Zürich ihren Betrieb aufgenommen hatte, wollten die beiden Feldschlösschen-Gründer ihr Unternehmen anders betreiben, als die damals noch über 500 übrigen Brauereien in der Schweiz, die ihre Kundschaft nur im beschränkten Umkreis einer Pferdefuhrwerk-Tagestour bedienen konnten. Wüthrich und Roniger wollten ihr Bier hauptsächlich mit dem damals modernsten Transportmittel, der Eisenbahn, vertreiben und damit den gesamten schweizerischen Biermarkt erschliessen. Wurde das Bier in den Anfangsjahren noch mit Pferdefuhrwerken zum Rheinfelder Bahnhof gekarrt, so wurde 13 Jahre nach der Brauereigründung ein direkter Bahnanschluss realisiert. Rasches Ende vorausgesagt Die ersten Jahre der Brauerei zum Feldschlösschen waren mit enormen Schwierigkeiten verbunden. So war der Winter im zweiten Braujahr, 1877/78, so warm, dass weder in der Region Fricktal-Basel noch im Mittelland ein Weiher gefror. Die maschinelle Eiserzeugung war noch unbekannt, und ohne Eis war Bier weder herzustellen noch zu lagern. Pferde, Wagen und Mannschaften mussten von Rheinfelden ins glarnerische Klöntal disloziert werden, um auf dem gefrorenen See zu «eisen». Das so unter Einsatz von viel Geld gewonnene Eis wurde per Bahn nach Rheinfelden transportiert. Auch stiegen kurz nach Aufnahme der Brautätigkeit die Preise für Hopfen und Malz derart, dass Beobachter eine baldige Schliessung des jungen Unternehmens erwarteten. Der Tüchtigkeit und dem Durchhaltewillen der Inhaber war es zuzuschreiben, dass die kritische Anfangsphase gemeistert werden konnte. Rasantes Wachstum 22 Jahre nach der Gründung überschritt die Produktion die Grenze von 100'000 Hektolitern, und Feldschlösschen wurde zur grössten Brauerei der Schweiz. Entsprechend der Expansion wurden die Gebäude und Installationen ständig erweitert. Es wurde fast ununerbrochen gebaut, wobei bereits kurz nach der Gründung die neuen Gebäude die einmalige, typische Schlossform erhielten.
Bis 60 Pferde 1905 starb Mathias Wüthrich, 1913 Theophil Roniger. Sein Sohn, Adolf Roniger, leitete in der Folge das Unternehmen von 1913 bis 1961 als Direktor, Generaldirektor, Delegierter und Präsident des Verwaltungsrats. Er steuerte die Brauerei durch zwei Weltkriege; steigende Rohstoffpreise bei zunehmender Rohstoffknappheit führten beide Male zu einem fast totalen Umsatz-Zusammenbruch. Es brauchte jeweils mehrere Jahre, um die Vorkriegs-Umsätze wieder zu erreichen und zu überbieten. Als Dr. Max Wüthrich, ein Enkel des Mitbegründers Mathias Wüthrich, 1961 die Geschicke der Brauerei übernahm, erkannte er die besondere Bedeutung des Detailhandes für den Bierabsatz. Das starke Wachstum von Feldschlösschen in dieser Zeit war vor allem auf gezielte Anstrengungen zurückzuführen, am steigenden Heimkonsum teilzuhaben. 36 Brauereien übernommen Daneben kaufte und pachtete Feldschlösschen im Lauf der Zeit auch über 100 Wirtschaften, um bedrohte Absatzstellen zu sichern. Alkoholfreie Getränke In den letzten zehn Jahren erfuhr die Gesellschaft gleich dreimal gewichtige Änderungen: 1992 wurde die Brauerei Feldschlösschen in die Holding gleichen Namens integriert, vier Jahre später erfolgte mit der Fusion mit der Brauerei Hürlimann – die Umbenennung der in Feldschlösschen-Hürlimann Holding, und im November 2000 wurden der Immobilien- und der Getränketeil rechtlich getrennt. Der Getränkebereich wurde von den Carlsberg Breweries übernommen und wird unter dem Namen Feldschlösschen-Getränkegruppe unverändert weitergeführt. In der börsenkotierten Feldschlösschen-Hürlimann AG, die in der Folge in REG Real Estate Group umbenannt wurde, verblieb die Hürlimann Immobilien Holding. Aus der vor 125 Jahren gegründeten Brauerei ist mit der Feldschlösschen-Getränkegruppe die grösste Getränkeproduzentin und das grösste Getränkehandelsunternehmen der Schweiz entstanden. Im Stammhaus, der Brauerei Feldschlösschen, wird dabei nicht irgendein Bier, sondern und darin sind sich die Angestellten der Brauerei Feldschlösschen sowie Tausende von Konsumentinnen und Konsumenten einig «das beste Bier der Welt» gebraut. |
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